19.04.2024

Mannschaft und Management ähneln sich

Handball: Der Heppenheimer Martin Guthier ist als neuer Trainer der Bezirksoberliga-Frauen der HSG Fürth/Krumbach ein „Spätberufener“

Fürth/Krumbach. Mit einer im Kern zusammengebliebenen, punktuell verstärkten Mannschaft werden die Handballerinnen der HSG Fürth/Krumbach am 31. Oktober in die neue Runde starten. Und mit einem neuen Trainer. Martin Guthier hat in Fürth die Nachfolge von Franz-Josef Höly übernommen und bereitet sein Team seit Juni auf die Saison vor. „Ich bin mit dem Stand der Vorbereitung sehr zufrieden. Die Spielerinnen ziehen hervorragend mit, nehmen Neuerungen gut an und die Stimmung ist auch sehr gut“, freut sich der im Heppenheimer Stadtteil Erbach wohnen Guthier.

Dass er eine fast fünfmonatige Vorbereitung hat, passt ihm dabei sehr gut. „Dadurch konnten wir in der ersten Phase viel an der Verletzungsprophylaxe nach der langen Pause arbeiten, dann vermehrt im athletischen Bereich und jetzt sind wir in der heißen Phase vor dem Rundenstart“, berichtet der Übungsleiter.

Dass der Name Martin Guthier den wenigsten Handball-Interessierten in der Region etwas sagt, kommt nicht überraschend. Schließlich ist der 50-Jährige als Trainer noch ein nahezu unbeschriebenes Blatt. In seiner Jugend spielte er zwar Handball, hörte dann aber verletzungsbedingt früh auf und widmete sich eher dem Fußball, eh er durch seine Töchter wieder den schnellen Hallen-Sportart näher kam. Beim SV Erbach übernahm er bald eine Jugendmannschaft, bildete sich weiter und machte schließlich auch seine C-Trainer-Lizenz. „Man kann schon sagen, dass ich als Trainer eher ein Spätberufener bin“, schmunzelt Guthier, der schließlich als Co-Trainer der Bezirksoberliga-Männer in Erbach fungierte und zuletzt als ersten echten eigenen Trainerposten im Aktivenbereich den Frauen-Bezirksoberligisten HSG Langen übernahm. „Das war leider im Corona-Jahr und lief daher alles andere als ideal“, gibt Guthier zu.

Als dann auf Vermittlung der Fürther Spielerin Diana Helferich, die Guthier als Jugendtrainer kennengelernt hatte, der Kontakt mit den Abteilungsleiterinnen Katharina Hallstein und Silke Blesing hergestellt wurde, ging alles ganz schnell. „Wir wurden uns schnell einig“, so Martin Guthier. Der selbstständige Wirtschafts- und Unternehmensberater arbeitet seither akribisch mit seinem neuen Team. „Wie in Unternehmen ist es auch im Sport so, dass derjenige, der am flexibelsten ist, auch die größten Erfolge hat“, erklärt Guthier und setzt im Handball auf eine variable, auf Ballgewinne ausgerichtete Deckung und ein schnelles Umschaltspiel. „Unser Ziel ist es, möglichst viele einfache Tore zu erzielen.“

Elemente aus seinem Beruf sieht er ohnehin auch in vielen Aspekten im Handball: „Sport und Management haben viele Gemeinsamkeiten. Viele Bausteine aus der Beratung passen auch in der Mannschaftsführung und umgekehrt. Die Ziele sind ebenfalls ganz ähnlich: In beiden Bereichen geht es um persönliche Bestleistungen und Erfolg.“

Als großen Vorteil sieht Guthier nun, dass er seine Mannschaft in einem Entwicklungsprozess intensiv begleiten, immer wieder nachjustieren und die Folgen unmittelbar erkennen kann. „Das ist in der Unternehmensberatung nicht immer der Fall. Dort gibt man Input und kann den Prozess nur bedingt verfolgen“, erläutert er.

Bei der HSG Fürth/Krumbach coacht Martin Guthier neben der Bezirksoberliga-Mannschaft auch die weibliche A-Jugend und strebt dort eine noch engere Verzahnung an. Aus der A-Jugend verstärken mit Kathrin Thiede, Johanna Dörsam, Annika Dörsam und Leonie Stephan zukünftig vier Spielerinnen die Damen. Echte Neuzugänge sind Shannon Obermeier (Rückraum/zuletzt FSG Bieberau/Modau) und Trainer-Tochter Melina Guthier, die zuletzt bei der HSG Langen spielte und gemeinsam mit Leonie Stephan das Torhüterinnen-Gespann bilden wird. Als Abgänge werden Hannah Hüttig und Lilly Schüle geführt, wobei beide lediglich in die eigene zweite Mannschaft wechselten.

„Damit haben wir alle Positionen doppelt besetzt, und ich bin mit unserem Kader wirklich sehr zufrieden“, so der neue Coach, der aber den Leistungsstand nicht so recht einzuschätzen weiß: „Nach zwei abgebrochenen Spielzeiten fällt das extrem schwer. Vorrangig wollen wir uns im sicheren Mittelfeld etablieren, und wenn wir die ersten Spiele absolviert haben, dann können wir unser Ziel festlegen.“ mep

Quelle: Odenwälder Zeitung, 07.10.2021