30.05.2024

Fürther Schachzug geht auf

Die Spieler der HSG Fürth/Krumbach jubeln nach dem 26:22-Derbysieg bei der HSG Weschnitztal. Bilder: Fritz Kopetzky

Weschnitztal. Ein gelungener taktischer Schachzug sorgte im Handball-Derby für die Entscheidung. Acht Minuten vor dem Ende des Bezirksoberliga-Duells zwischen der HSG Weschnitztal und der HSG Fürth/Krumbach ordnete Fürths Trainer Stefan Eger die Manndeckung gegen Marian Kleis an. Zu diesem Zeitpunkt stand es 20:19 für die Weschnitztaler. Sechs Minuten später führten die Gäste dann mit 25:21 und gewannen am Ende mit 26:22 (12:7).

„Man hat deutlich gespürt, dass Marian Kleis mit seiner Klasse in der Schlussphase das Heft in die Hand nehmen wollte. Er hat richtig aufgedreht und wollte unbedingt gewinnen“, erläutert Eger die Gründe für die spielentscheidende Umstellung. Während bei Fürth/Krumbach nach dem Derbysieg im Spitzenspiel der Jubel groß war, herrschte bei Weschnitztal erst einmal große Leere. „Wir sind alle kaputt. Es war ein großer Kampf meiner Jungs, der leider nicht belohnt wurde. Wir waren wirklich nah dran, hatten dann aber leider nichts mehr zuzusetzen“, bilanzierte Weschnitztals Coach Dennis Rybakov.

In der ersten Hälfte entwickelte sich bereits eine umkämpfte Partie in der stimmungsvollen Weschnitztalhalle. „Die Unterstützung von den Rängen war top. Das hat richtig Spaß gemacht“, so Rybakov. Tatsächlich war er zwar mit der kämpferischen Leistung seiner Mannschaft zufrieden und auch der Abwehr gab er Bestnoten, „aber vorne haben wir überdreht, wollten oft zu viel und haben dadurch überhastet abgeschlossen“, erklärt der Trainer.

Die Folge war, dass in den ersten 30 Minuten nur sieben Treffer für Weschnitztal zu Buche standen, während Fürth konsequenter agierte und sich über 6:2 und 8:4 auf 12:7 absetzte. Die herausragenden Akteure auf beiden Seiten waren bis dahin die Torhüter: Marcel Bolling bei Weschnitztal und Henrik Richter bei Fürth/Krumbach zeigten, dass sie wohl die besten Keeper der Liga sind. „Uns war klar, dass es aber so nicht weiterlaufen würde. Dazu ist Weschnitztal einfach zu stark besetzt. Das ist eine hervorragende Mannschaft mit richtig guten Spielern“, erwartete Eger für den zweiten Abschnitt viel Gegenwehr.

Und die kam. „Wir haben in der Halbzeit besprochen, dass wir weiter die Emotionen im Spiel halten wollten, aber nicht mehr überdrehen“, so Rybakov, dessen Team tatsächlich binnen acht Minuten zum 13:13 egalisierte. „Das war der Start, den wir gebraucht haben. Jetzt waren auch die Zuschauer wieder da. Es war ein völlig offenes Spiel“, fand Weschnitztals Übungsleiter. Die Führung wechselte nun mehrfach, keine Mannschaft konnte sich mehr mit mehr als einem Tor absetzen. Beim Stande von 20:19 (53.) kamen dann zwei entscheidende Faktoren zusammen: Die Gastgeber vertändelten den Ball bei einem Konter und statt mit zwei zu führen, gelang Fürth der 20:20-Ausgleich. Zudem ordnete Eger die Manndeckung gegen Kleis an. „Wenn wir diesen Tempogegenstoß reinmachen, dann gewinnen wir“, mutmaßt Dennis Rybakov.

So aber geriet Weschnitztals Fluss ins Stocken, Fürth erhöhte entscheidend auf 25:2. „Das ist wirklich schade für die Jungs, die wirklich einen super Kampf abgeliefert haben“, so Rybakov. Auch das Lob von Stefan Eger für seine „bärenstarke Mannschaft“ und seine „überragende 6:0-Abwehr“ waren erst einmal kein Trost. Aber mit etwas Abstand wird man auch bei Weschnitztal die Begegnung als Ausrufezeichen für die Ambitionen sehen. Die Qualität der beiden Kontrahenten, die dieses Jahr noch nicht, aber mittelfristig schon in die Landesliga aufsteigen wollen, wurde in diesem Vergleich deutlich. mep


HSG Weschnitztal: 
Bolling – Mader, Brehm (6), Schmitt, Jochen Eckstein, Postel (3), Petrov (2), Bohrmann (3), Zehrbach, Crim, Kleis (5/1), Schieck (3), Wiegand.
HSG Fürth/Krumbach: Henrik Richter, Hebling – Beye (7/3), Malte Jäckel (6), Schuricht, Renner, Koch (6), Fischer (3), Schott, Kilian (1), Jaworski (1), Mink (1), Lars Richter (1).

Quelle: Odenwälder Zeitung, 14.02.2022